Tai Chi verstehen...

Was ist Tai Chi?

Tai Chi - Meditation in Bewegung oder Kampfkunst?

Beides ist richtig. Es ist eine Kampf- und Bewegungskunst, die ihren Ursprung in China hat. Die philosophischen Wurzeln liegen im Taoismus, der Lehre des Tao, was man mit Weg, Fluss, Prinzip und Sinn übersetzen kann.

Tai Chi wird auch als Tai Chi Chuan, Taiji, Tajiquan oder Schattenboxen bezeichnet. Neben den verschiedenen Schreibweisen gibt es auch unterschiedliche Stile. Am weitesten verbreitet sind der Yang-, Wu- und Chen-Stil. Sie wurden ursprünglich nach den Familien benannt, die sie entwickelt haben. Allen Stilen liegen ähnliche Prinzipien und Zielsetzungen zugrunde, nur werden einige Schwerpunkte unterschiedlich stark ausgebildet, z.B. legen einige Stile mehr Wert auf den gesundheitlichen und meditativen Aspekt, andere auf die Kampfkunst. 


Viele kennen das Yin-und-Yang Zeichen. Es wird auch oft als Tai Chi Symbol benutzt.
Wir können es so begreifen: Gegensätze bedingen sich gegenseitig. So gibt es ohne Helligkeit keine Dunkelheit. Beides geht ineinander über und beinhaltet sein Gegenüber. Auch wenn wir dieses Zeichen schon so oft gesehen haben: Es lohnt sich, ein wenig darüber nachzudenken...

Im Tai Chi üben wir unser Gleichgewicht innerhalb dieser Gegensätze zu finden. So ist in jeder Haltung beides enthalten: Spannung und Entspannung, Steigen und Sinken, Fülle und Leere...
Eines der Ziele im Tai Chi ist es, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen. 
Die Bewegungen sind so angelegt, dass durch die Haltung, insbesondere durch die Stellung der Gelenke, eine gute Körperstatik erreicht wird. So wird es der Muskulatur ermöglicht, ihre Aufgabe mit großer Leichtigkeit zu erfüllen. Die Fähigkeit Körper und Geist zu entspannen wächst. Langsam wird die Atmung vertieft, die Atemzüge werden ruhiger und länger, der Körper entspannt, der Geist kann sich beruhigen und sammeln. Im Tai Chi bezeichnen wir diesen Effekt oft als „Loslassen“.


Kampfkunst?

Warum soll ich eine Kampfkunst erlernen?

Ich möchte mich entspannen und etwas für meine Gesundheit tun!
Ursprünglich diente das Tai Chi neben den gesundheitlichen Aspekten auch der Selbstverteidigung. Einige der Übungen haben Namen, die auf diesen Anwendungszweck zurückgehen. Man kann Tai Chi auch heute noch als Kampfsport betreiben, es gibt Wettkämpfe und Partnerübungen. Für die meisten Tai Chi Übenden ist dieses Thema eher zweitrangig.
Wir können jedoch durch die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber viel lernen. So können wir z.B. unser Gleichgewicht besser ausrichten, unsere Stabilität und Standfestigkeit und sogar unsere Mitte finden. Manchmal hilft uns ein Gegenüber, um uns selbst besser wahrnehmen zu können.
So ist Tai Chi immer eine Übung mit unserem gesamten Sein, eine Auseinandersetzung mit uns selbst, der Umgebung und dem Gegenüber. Es ist eine Übung, die uns unsere Haltung – auf vielen Ebenen! - bewußt machen kann.

Tai Chi erfahre und unterrichte ich daher weniger als Kampfkunst, als vielmehr eine Wahrnehmungsübung, die zu einem friedlichen Umgang mit uns und unserer Umgebung führen kann.


zu Tai Chi bei Tai Chi Wege